Am höchsten Punkt der Inselhauptstadt von Tinos liegt die weithin gut sichtbare Wallfahrtskirche Panagia Evangelistria. Sie wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an dieser Stelle erbaut, nachdem die Nonne Pelagia aus dem Kloster Kechrovouniou eine Erscheinung hatte, die ihr bedeutete, an dieser Stelle zu graben. So wurde 1823 hier eine uralte Marienikone gefunden, die jahrhundertelange dort vergraben war. Man sagt, die Ikone sei von Apostel Loukas gemalt worden. Sofort begannen die Griechen Geld zu sammeln, um an dieser heiligen Stelle eine riesige Kirche zu errichten.
Die prachtvolle Kirche wurde aus Marmor von Tinos und Paros errichtet. Sie ist eine sehr grosse Anlage, die mehrere Gebäude, Arkadengänge, Museen, Pilgerunterkünfte und Verwaltungsgebäude umfasst. Vor dem Eingang breitet sich ein riesiges schwarz weisses Kieselsteinmosaik auf dem Boden aus. Eine breite Treppe führt vom marmorgepflasterten Hof mit seinen Zypressen zum Kircheneingang. Im Inneren der Kirche bleibt man andächtig stehen. Der ganze Reichtum und die religiöse Atmosphäre ziehen einem in ihren Bann. Im 3-schiffigen Innenraum der Kirche findet man Marmorsäulen, kostbare Weihrauchgefässe, riesige Kerzenständer, kostbare Leuchter, Ikonen und unzählige Votivtäfelchen. Diese Täfelchen zeigen Schiffe, Autos, Babies, Herzen, Beine, Arme, Brillen,... und wurden von den Gläubigen gespendet. Sie zeigen die Sorgen, Anliegen und Wünsche der Pilger: Bitten um Kindersegen, Gesundheit, Partnerschaft, Schutz vor Gefahren, Dank für eine gut verlaufene Operation,…
Ebenso zahlreiche Pilgergeschenke findet man bei der Heiligen Ikone der Evangelistria, die mit Gold eingefasst und unter einem Marmorbaldachin aufgestellt ist. Perlenketten, Ringe, Broschen… vor lauter Schmuckgaben ist die Ikone fast nicht mehr zu erkennen. Man sagt, die uralte Ikone der „Megalocharis“, der „Gnadenreichen“, besitze Wunderkraft, sie kann Heilung und Gesundheit bringen. Deshalb pilgern unzählige Kranke und Gebrechliche nach Tinos. Die Gläubige küssen die Ikone und zünden Kerzen an.
Unter der Kirche befindet sich der Raum für die Stelle, wo die Ikone ursprünglich gefunden wurde (=Evresis = Auffinden). Und hier tritt auch das Heilige Wasser aus dem Berg. Zahlreiche Pilger füllen sich hier das Wasser in Fläschchen ab und nehmen es als kostbares Gut mit nach Hause.
Nebenan liegt das Mausoleum, eine Gedenkstätte für die getöteten Besatzungsmitglieder des griechischen Kriegsschiffes Elli, das am 15. August 1940 im Hafen von Tinos von einem italienischen Torpedo zerstört worden war.
Unter den Arkaden im Hof sind einige Museen angesiedelt, zum Beispiel das Museum spätbyzantinischer Kunst, das Museum für Votivgaben, das Museum Tiniotischer Kunst und die Pinakothek.
Die Kirche ist täglich geöffnet, beim Besuch auf korrekte Kleidung achten!
Ein Platz, der eine unglaubliche Religiosität ausströmt. Sorgen und Hoffnung, Krankheit und Dankbarkeit über Genesung, Leid und Freude – so viele Schicksale sind hier zu finden. Wohl niemand, der die Panagia Evangelistria unbeeindruckt verlässt.