Mytillini ist die Hauptstadt der Insel und ist eine richtige „grosse“ Stadt (verglichen mit Hauptorten anderer Inseln). Hier befinden sich auch Fakultäten der „Universität der Ägäis“. Herz Mytillinis ist der Hafen mit seiner Promenade, die Prokymaia genannt wird. Hier schlängelt sich zwar ziemlich der Verkehr durch, aber bei den breiten Trottoirs sind zahlreiche Terrassencafés zu finden, wo man dem lebhaften Treiben zuschaut. An der Prokymaia, neben dem Busbahnhof, steht auch die Statue der berühmten Dichterin Sappho (um 600 v. Chr.), die aus Lesbos stammt. Sie gilt als erste Lyrikerin der Weltliteratur. Im Hintergrund der Promenade stechen die silbern leuchtenden Kuppeln der Agios Therapondos-Kirche heraus – ein Postkartenmotiv. Vor der Kirche an der Promenade erheben sich einige stattliche Häuser. Die neoklassizistische Kirche wurde um 1860 errichtet, an der Stelle, wo früher einmal ein antiker Tempel gestanden hat. Sie ist die grösste Kirche der Insel und beherbergt Wandmalereien und einige wertvolle Ikonen. Gegenüber der Kirche befindet sich das Museum für byzantinische und kirchliche Kunst mit seiner Ikonensammlung, den geschnitzten Chorwänden, Kreuzen, kirchlichen Gewändern und Gefässen. Auch zwei Ikonen des bekannten Malers Theofilos, der aus Lesbos stammt, sind hier ausgestellt.
Die Ermou-Strasse ist die Haupteinkaufsstrasse der Stadt. Benannt ist sie nach dem Gott Hermes, dem Götterboten, der auch Gott der Kaufleute ist. Die Ermou und ihre Nebengassen bilden ein abwechslungsreiches Marktviertel, in dem vor allem am Morgen einiges los ist. Fleisch, Fisch, Kleider, Brot, Kaffee, Obst, Gemüse, Schmuck, Haushaltwaren – hier ist vieles zu finden. Und selbstverständlich auch Ouzo, der in Lesbos produziert wird!
Etwas zurückversetzt in einer der Seitengassen der Ermou liegt die die Mitropolis, die Kathedrale Agios Athanassios aus dem 16. Jh. (andere Quellen sagen 17. Jh.). Freistehend neben der Kirche erhebt sich der Kirchturm mit seinen 33 m. Im Inneren wird der Sarkophag des Heiligen Theodorus aufbewahrt, man kann seine Hand durch das Glas im Sarg sehen. Theodoros ist der Schutzheilige von Mytillini und hat sein Kirchenfest am 17. Februar, er soll Wunder vollbringen können. So notieren viel Gläubige ihre Wünsche und Anliegen auf Zetteln. Theodorus wurde 1795 von den Türken erhängt. Ebenfalls sehenswert sind die Schnitzereien der Ikonostase und des Altars.
Am Hügel oberhalb des Nordhafens in einem Wäldchen sind noch spärliche Überreste des antiken Theaters aus dem 3. Jh. v. Chr. zu finden. Einst bot es Platz für 15‘000 Zuschauer. Viel zu besichtigen gibt es nicht: die Orchestra und einige Überreste von steinerne Sitzstufen sind erhalten geblieben. Die Stufen sollten aber in ihre ursprüngliche Lage gebracht werden, sie liegen zwischen Gras, Kräutern und Geröll. Hübsch ist aber die Lage, man hat einen Blick über das Kastro, das Meer bis hinüber in die Türkei. Ebenfalls in die Türkei blickt die Freiheitsstatue, die am südwestlichen Rande des Strandes unterhalb des Kastrohügels steht. Sie wurde aus Kupfer nach dem Vorbild der Freiheitsstatue in New York gebildet.
Oberhalb des Stadtzentrums, umgeben vom schattigen Tsamaki-Pinienwäldchen liegt das antike Kastro. An dieser Stelle stand vermutlich in alter Zeit einst die Akropolis. Das Kastro wurde in 3 verschiedenen Phasen erbaut, in der frühbyzantinischen Zeit, dann um das 14. Jh. zur Zeit des Genueser Fürsten Gattelusi und unter türkischer Herrschaft im 15. Jh. Aus dieser Zeit stammen die meisten der heute noch sichtbaren Gebäude, die jedoch grösstenteils verfallen sind. Im Inneren der Burg ist nicht mehr allzuviel zu sehen. Die Lage im Pinienwald ist jedoch idyllisch, und der Aufstieg lohnt sich auch wegen der herrlichen Aussicht. Antike Ruinen, die duftenden Pinien, die sengende Hitze – eine besondere Stimmung. Eingang durch das Tor an der Südostseite, von der Strasse „8. November“ aus zu erreichen. Meist vormittags geöffnet (Stand vor einigen Jahren), Montag geschlossen, Eintrittsgebühr. Wie gesagt, ich war vor einigen Jahren in Lesbos. Wenn jemand aktuellere Angaben hat, sind diese sehr willkommen!