Neulich (April 2010) hat der griechische Ministerpräsident Papandreou vor malerischer Postkartenkulisse die Krise und Notwendigkeit der Inanspruchnahme von EU-Hilfe verkündet. Vor der malerischen Kulisse der Insel Kastel(l)orizo, Griechenland östlichster Insel. So weit östlich, dass sie auf den meisten Griechenlandkarten gar nicht mehr eingezeichnet ist: 120 Kilometer östlich von Rhodos. Aber nur 3 Kilometer vor der türkischen Küste und der Stadt Kaş.
Etwa 9 Quadratkilometer ist Kastellorizo groß, nicht gerade üppig. Trotzdem ist ihr Name auch „Megisti“, was „die Größte“ heißt…. Größe ist eben relativ, Kastellorizo ist die Größte in einem Inselarchipel an (von Militärstützpunkten abgesehen) unbewohnten Klein- und Kleinstinseln.
Die Glanzzeiten von Kastellorizo sind vorbei. Im 19. Jahrhundert und bis Anfang des 20. Jahrhundert hatte die Insel über 10.000 Einwohner und eine Handelsflotte von über 300 Schiffen. Die kleinasiatische Katastrophe mit der italienischen Besatzung ab 1922 und ein Erdbeben 1926 sorgten für starke Abwanderung, 1941 brannte der evakuierte Ort fast vollständig ab. Nur wenige Einwohner kehrten deshalb zurück.
Heute wohnen auf Kastellorizo im einzigen gleichnamigen Ort etwa 200 Menschen, und es gibt einen großen Militärstützpunkt mit über 100 Soldaten. Die neoklassizistischen Häuschen um die rechteckige Hafenbucht bieten einen einmaligen Anblick, es gibt wenige Orte in Griechenland, die besser geeignet sind, die Seele baumeln zu lassen. Denn viel tun kann man auf Kastellorizo nicht: nennenswerte Strände gibt es auf dem Felseneiland nicht, und die 4 Kilometer asphaltierte Straße führen nur zum Flughafen. Die Startbahn ist nur 800 Meter lange, aber es gibt fast täglich einen Flug von und nach Rhodos – subventioniert vom Staat kostet er mal gerade 28 Euro und dauert 25 Minuten. Länger braucht die Fähre: etwa 4 Stunden ab Rhodos. Schneller geht es von der Türkei, was zwar vom griechischen Staat nicht gerne gesehen wird, aber der kleine Grenzverkehr läuft bestens – in der Saison kommen täglich zwei Ausflugsboote von Kaş, und die Griechen kaufen die frische Ware auch lieber in auf dem Markt dort.
Was also tun außer in einem der Cafés oder Tavernen sitzen? Man kann sich mit einem Boot in die „Blaue Grotte“ bringen lassen. Das lykische Grab bewundern, oder in eines der beiden Inselmuseen gehen. Die über 400 Stufen zur Hochebene hinaufsteigen und zum verlassenen Kloster Agios Giorgos wandern. Außer dem namensgebenden „roten Kastell“ direkt im Inselort gibt es noch eine alte Burgruine - das Paleokastro, das auf dem zweithöchsten Inselberg liegt (auf dem höchsten, dem „Vigla“ sitzt das Militär…). Schon zu dorischer Zeit war das Paleokastro eine Stadt, Zyklopenmauern zeugen noch davon. Und der Blick ist einfach toll von hier aus! Mit den verstreut darauf liegend Kapellen ein schönes Fotomotiv.
Fotografieren – ja, auch das kann man hier reichlich. Der Ort ist farbenfroh. Durch mehr oder weniger verfallene Gassen schlendern. Katzen beobachten. Die Atmosphäre und Gastfreundlichkeit der Einheimischen genießen. Ins Gespräch kommen – man trifft sich hier immer wieder. Entspannen, sitzen, gucken.
Kastellorizo – eine ganz ruhige Insel, am Rande Griechenlands. Aber eine Insel zum Wiederkommen. Mit Suchtcharakter.
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