Das verlassene Dorf Anavatos liegt im Westen der Insel und ist vom Hauptort in einer guten Stunde erreichbar. Anavatos gehört zu den Mastixdörfern und ist durch seine traurige Geschichte bekannt geworden.
Wie viele der anderen Mastixdörfer, ist auch Anavatos durch seinen Wohlstand mit der Mastixproduktion, zum Ziel von Plünderern und später auch der festen Hand des Othomanischen Reiches geworden. Die Mastixdörfer wurden daher zu ihrem Schutz als Festungen konzipiert. Anavatos hatte durch seine spezielle Lage auf den steilen schroffen Felswänden einen besonders guten Schutz und widersetzte sich erfolgreich den zahlreichen Gegnern.
Als die Türken jedoch die Insel besetzten und später einnahmen ist auch Anavatos nach langer Belagerung gefallen.
Da sich die stolzen Chioten nicht ergeben wollten, stürzten sich die Frauen mit ihren Kindern in den Freitod während die Männer im Kampfe fielen.
Anavatos wurde später wieder besiedelt. Das Dorf so wie die ganze Insel standen jedoch unter keinem guten Stern. Nach dem Wiederstand gegen die Türken nahmen diese 1822 blutige Rache an über 30000 Chioten und richteten ein grausames Blutbad an.
Selbst nach diesem fürchterlichen Schicksalsschlag wurde Anavatos zum zweiten mal wieder aufgebaut.
1881 wurden Grossteile der Insel durch ein verheerendes Erdbeben zerstört. Auch Anavatos hatte abermals zahlreiche Opfer zu beklagen und wurde ein weiteres mal zerstört. Nach diesem Schicksalsschlag wurde das Dorf nicht mehr besiedelt.
Die historische Bedeutung von Anavatos führte dazu, dass die Regierung das Departement für Archäologie beauftragte das Dorf teilweise wieder aufzubauen.
Heute ist Anavatos ein bekannter Ausflugsort. Einige Häuser wurden als Feriendomizile wieder hergerichtet doch bleibt das Dorf grösstenteils unbewohnt.
Die Atmosphäre in Anavatos ist überwältigend. Die Erinnerung an die blutige Geschichte spielt hier auf jeden Fall eine grosse Rolle, doch auch die Lage des Dorfes ergreift einen unwillkürlich. Die schroffe Landschaft und die majestätische Platzierung auf den Felsvorsprüngen geben Anavatos etwas einmaliges.
Man ist völlig isoliert vom lauten Treiben der restlichen Welt und hört nur das Rauschen des Windes, der durch die Bäume und Sträucher bläst.
Die wieder aufgebauten Gebäude zeigen eine für Griechenland eher weniger bekannte Architektur. Spartanisch, kubische Bauten mit kleinen Fenstern, welche den Festungscharakter unterstützen. Dennoch hat Anavatos etwas sehr einladendes und man würde sich wünschen das sich die Gassen wieder mit Leben füllen.
Anavatos lässt sich durch eine Initiative die sich
Aegean Echo nennt auch gemütlich über eine "Audio Tour" erkunden. Man erhält einen digitalen Audioplayer und kann sich so kompetent durch das Dorf führen lassen. Sehr empfehlenswert. Die Innitiative ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Beispiel für die positive Förderung des Tourismus. Schade ist nur das dies eine private Initiative ist die nicht staatlich unterstützt wird.
Ein Ausflug nach Anavatos lohnt sich auf jeden Fall. Beachten Sie jedoch das die Temperaturen im Hochsommer auch in den Bergen von Chios sehr hoch sind. Es ist daher von Vorteil wenn Sie den Zeitpunkt für Ihren Besuch auf den frühen Morgen oder den späten Nachmittag legen.
In Anavatos gibt es eine kleine Taverne die eine bescheidene aber sehr schmackhafte Auswahl anbietet. Es rentiert sich auf jeden Fall mit dem Gesprächigen Koch und der amerikanischen Wahlgriechin zu plaudern. Sie haben viele witzige und auch spannende Geschichten zu erzählen.