Die Ruinen von Alt-Pyli liegen ca. in der Inselmitte, oberhalb des Dorfes Pyli und dem Dorf Armaniou. Pyli liegt etwa zwischen Antimachia und Zipario, von der Hauptstrasse Kos-Stadt – Inselsüden führen mehrere Strassen rechtwinklig hoch Richtung Fuss des Dikeao Gebirges. Pyli liegt nicht weit des berühmten Dorfes Zia, das von Touristen richtiggehend überschwemmt wird. Es gibt das neuere Dorf Pyli und eben etwas ausserhalb die Ruinen von Old-Pyli = Paleo Pyli.
Paleo Pyli besteht aus Ruinen von Häusern, Kirchen und einer Burg, die idyllisch an einem Hang im Wald liegen. Vom Parking führt ein Pfad hoch ins Ruinengelände. Man kann aber auch beim Parking das Strässchen noch etwas weiter hoch fahren in den Wald hinein, dann dort parkieren und dem Schild „Old Pyli Café / Eselreiten / Aussichtsterrasse“ folgen (weiss nicht mehr genau, was alles auf dem Schild des Oria Café stand), so kommt man zum originellen Café Oria mit seinem guten Blick auf die Ruinen. Vom Café gibt es einen Pfad hinunter ins Ruinengelände.
Das alte Pyli war strategisch gut gelegen: im Wald, am Nordhang des Dikeos-Gebirges, war es vom Meer her nicht sichtbar – und somit auch kein Ziel von Piratenüberfällen. Um 1830 wurde das Dorf aber wegen einer Cholera-Epidemie verlassen.
Zur Geschichte: Im Jahre 1080 erhielt der Mönch Hosios Christodoulos den Hügel von Paleo Pyli, wo er eine kleine Burg und ein Kloster erbaute, der Heiligen Gottesmutter zur Burg (Panagia tou Kastrou) geweiht. In den folgenden Jahren entwickelte sich ein Dorf um Burg und Kloster. Der Mönch aber, auf der Suche nach Ruhe und Frieden, war nicht so glücklich über seine lauten Dorfnachbarn. So wurde ihm ein Tausch angeboten: Kloster und Burg von Paleo Pyli im Tausch gegen die Insel Patmos. Der Mönch akzeptierte und zog nach Patmos. Das Dorf wuchs weiterhin, zur Blüte soll es ca. 150 Haushalte gehabt haben und ca. 1000 Einwohner. Das Land wurde bebaut und Ziegen und Hühner gehalten. 7 Kirchen wurden erbaut, auch die Burg wurde ausgebaut und war im 13. Jh. eine der stärksten Burgen der Insel. Im 14. Jh. kamen die Kreuzritter in die Burg, welche das Kastro ebenfalls ausbauten und verstärkten. Als aber das byzantinische Reich nach 1453 zerfiel, attackierten die Ottomanen, die Türken, die Insel. Die Burg von Paleo Pyli war die letzte, die den Türken in die Hände fiel. (Die Türken herrschten bis 1912 auf der Insel, bis sie von den Italienern besiegt wurden). Vermutlich 1830 nahm das Unheil seinen Lauf, eine „Plage“ fiel über Paleo Pyli her. Man nimmt an, dass es Cholera war, die sich auf Grund von verschmutztem Wasser ausbreitete. Viele Menschen starben, das Dorf wurde aufgegeben.
Das heutige Ruinengelände ist recht weitläufig. Etwas oberhalb des Parking kommt man zur Taxiarchis-Kirche, weiter oben zur Agios Antonios-Kirche und zum Kloster, das der Mönch Christodoulos erbauen liess. Häuserruinen sind überall verteilt, auch in den Wald hinein. Oben auf dem Hügel thronen die Ruinen der Burg. Der Aufstieg lohnt sich, man geniesst einen sehr schönen Blick über die Nordküste nach Marmari, Tigaki und den Salzsee sowie weiter zu den Inseln Pserimos und Kalymnos. Ja, das Kastro war einmal eine mächtige Burg gewesen. Auf dem kleineren Hügel gegenüber sieht man das einladende Café Oria, das sich anbietet für eine Pause mit Blick auf die Ruinen. Beim Aufstieg zur Burg einfach etwas Vorsicht walten lassen bei den unregelmässigen Tritten und den zerfallenen mauerstücken. Aber der Blick ist es wert!
Angeblich soll es in diesem Gebiet einige Schildkröten geben. Hier haben wir keine gesehen, aber bei unserem Aufstieg auf den nahen Dikeos-Berg sind wir einer Landschildkröte begegnet. Man kann auch von den Ruinen von Paleo Pyli aus auf den Dikeos wandern (oder vom Bergdorf Zia aus). Zusammenfassend: Eine sehr schön gelegene Ruinenstätte im Wald. In einigen der Kirchen sind noch Fresken erhalten. Originell ist auch das Café mit Ruinenblick.