Die Provinz Epirus wird fast etwas stiefmütterlich behandelt, es ist eine eher unbekanntere, wenig besuchte Region – ganz zu Unrecht, denn sie bietet wunderschöne Ecken, sei es am Meer oder in den Bergen. Ich habe einen Sommer lang in Epirus gearbeitet, im kleinen hübschen Ort Parga, und bin von dort aus auf Entdeckungstour gegangen. Denn auch ich, obwohl grosser Griechenland-Fan, kannte die Region nicht. Dafür bin ich nun um so mehr begeistert von dem noch nicht so entwickelten, noch nicht so überlaufenen, teils sehr ursprünglichen Gebiet. Damals in Parga (im Jahre 1999) hatte ich einen Text zusammengestellt über Epirus für die Gäste, die ich betreute. Diese Beschreibung möchte ich hier wiedergeben:
Epirus im Nordwesten des Landes ist zweifellos eine der landschaftlich beeindruckendsten Regionen Griechenlands. Die gewaltige Gebirgslandschaft mit ihren tiefen Schluchten, dichten Wäldern und langen Flüssen entspricht so gar nicht dem Bild, das sich die meisten Urlauber vom sonnigen Griechenland machen. Nicht weisse Würfelhäuser und liebliche Landschaften, sondern schroffe, unberührte Gebirgsregionen, phantastische Flussbetten, abgelegene Bergdörfer, Häuser aus grauem Stein und an der Küste lange Strände und kleine Badeferienorte beherrschen das Bild. Epirus grenzt im Norden an Albanien, im Westen ans Ionische Meer, im Süden an den Ambrakischen Golf, im Osten wird es durch das Pindos-Gebirge begrenzt. Das Pindos-Gebirge ist mit fast 250 km die längste Bergkette Griechenlands und eine der längsten im Balkan überhaupt. Der höchste Gipfel Smolikas ist 2637 m hoch. Die Gebirgsgruppe des Pindos ist durch grosse landschaftliche Vielfalt geprägt: hohe alpine Gipfel, abgeflachte, pultförmige Kuppen, Gebirgseinöden, aber auch tiefe Schluchten, Flüsse, Seen und Quellen. Die vielen Gipfel, Hügel und Höhenzüge lassen kaum Platz für Flachland und Ebenen. Epirus ist die gebirgigste Region Griechenlands und verfügt über einige der schönsten und ausgedehntesten Waldgebiete. Vorherrschend sind Schwarzkiefern, Laubbäume wie Buchen, Birken und Eichen, und in höheren Lagen Rombolokiefern. Dazu kommen Tausende von Feld-, Wald- und Wiesenblumen sowie Heilkräutern.
Der Nationalpark Vikos-Aoos, Teil des ausgedehnten Valia Calda Nationalparkes, ist wegen der Vielfalt seiner Ökosysteme von grosser Bedeutung. In den unberührten Wäldern und Gebirgsregionen leben die letzten Braunbären Griechenlands, Luchse und Wildkatzen, Wildschweine und Fischotter. Auf den abgelegenen bergwiesen, über denen Adler kreisen, äsen Wildziegen und Rotwild. Ebenfalls von grosser Wichtigkeit sind die Feuchtbiotope, Lagunen und Flussmündungen mit ihren eigenen Ökosystemen.
Die Provinz Epirus umfasst 9203 km2 und ist aufgeteilt in die Regierungsbezirke Ioannina, Arta, Preveza und Igoumenitsa. Der Name „Epirus“ bedeutet „Festland“, im Gegensatz zu den vorgelagerten Ionischen Inseln. Das Klima von Epirus ist nur in Küstennähe als mediterran zu bezeichnen. In Landesinneren herrscht fast kontinentales Klima vor. Den zum Teil heissen Sommern folgen kalte, im Bergland manchmal auch schneereiche Winter. Der grösste Teil der Provinz ist niederschlagsreiches Gebiet, so ist Epirus auch im Sommer ein grünes Mittelgebirgsland ohne die ausgebrannte Kargheit des Südens.
Epirus war jahrhundertelang Objekt feindlicher Eroberungszüge und gehört erst seit 1912 zu Griechenland. Das ehemalige Königreich wurde von den Römern erobert, später fiel es an die Slawen, dann an die Serben und wurde später Teil des Osmanischen Reiches. Erst 1912 kam der grösste Teil von Epirus zu Griechenland. Nach der Eroberung durch die Türken im 15. Jahrhundert konnten sich einige der Gebiete im Hochland eine gewisse Autonomie bewahren und so die Voraussetzungen schaffen für den Aufbau einer blühenden Wirtschaft und den Erhalt einer kulturellen Eigenständigkeit. Besonders erwähnenswert ist die Entwicklung auf dem Gebiet der Architektur, wovon noch heute die imposanten Herrenhäuser, Schulen, Kirchen, Brückenanlagen und Strassenbauten zeugen. Daneben entfaltete sich die Malerei, ganz der byzantinischen Tradition verhaftet, und nicht zuletzt auch die Holzschnitzkunst. Unter der Türkenherrschaft erlebte auch das Handwerk und Kunsthandwerk eine Blütezeit. Besonders entfaltete sich das Gold- und Silberschmiedehandwerk, die Goldfadenstickerei und die Weberei. Eine Kombination von Viehzucht, Handwerk und Fernhandel führte zu beträchtlichem Wohlstand. Gewisse Handelswege führten bis nach Österreich und Rumänien. Noch heute sieht man im Epirus die traditionellen steinernen Bogenbrücken, die wichtige Verbindungen waren auf den Fernhandelswegen. In Epirus gibt es Siedlungen mit ganz eigenem Charakter, die unter Denkmalschutz stehen, so zum Beispiel die Zagoria-Dörfer. Kennzeichnend für diese historischen Siedlungen ist das helle Grau der Häuser, die aus dem lokalen Flysch-Gestein erbaut sind. Auf diese Weise sind die Gebäude wunderbar in die Landschaft eingepasst und verschmelzen mit den Bergen und Wäldern ringsum.
Es lohnt sich, Epirus zu entdecken! Ein Auszug aus den Sehenswürdigkeiten und Orten im Epirus:
Traditionelle Zagoria-Dörfer; Hauptstadt Ioannina mit ihrem türkischen Einfluss am See gelegen; Tropfsteinhöhle von Perama; antikes Theater und Ausgrabungen von Dodoni; Vikos-Aoos-Nationalpark und Wandergebiet; tiefe Vikos-Schlucht, der Grand Canyon Griechenlands; steinerne Bogenbrücken; Ambrakischer Golf; Ruinen von Nikopolis; Totenorakel Nekromantion bei Mesapotamos; zahlreiche herrliche Strände an der Küste zwischen Preveza und Igoumenitsa; Hafenstadt Igoumenitsa; malerisches Örtchen Parga; Quellen des Acheron bei Glyki; Ausgrabungen der antiken Stadt Kassope; Berg Zalongo mit seinem Denkmal; idyllische Buchten um Sivota; Arta mit ihrer berühmten Brücke und den Kirchen; Ort Metsovo mit seinen Stein- und Holzhäusern;…