Ach, dieses Licht! Das attische Licht ist der erlösteste Grad des griechischen Lichts. Dieses Licht geht nicht nur durchs Auge ein, es ist eine Flut, die den ganzen Körper durchrinnt. Es ist ein elektrischer Strom, es steigert, es reizt, es hebt Schwere auf und es trägt. Darum ist es gut, auf die griechischen Berge zu steigen; im Steigen ist man umspült von den Kaskaden des Lichtes, die bessern und reinigen. Diese Helle schenkt einen Rausch, der aber ein Rausch voller Klarheit ist, voller Gesundheit auf wirklicher Erde.
Was für ein Land, das die Gewissheit so dauerhaften Lichtes besitzt. Denn es gehört dazu, dass man sich seiner sicher sein darf, dass es sich Tag für Tag wiederschenkt, ohne Zweifel und Bangen. Da sind Sonnentage nicht ein erhaschtes Glück. Da sind sie Geschenke, auf die man sich ehern verlassen kann, ein Geschenk mit dem Zugeschenk der Gewissheit. So wird zu selten geschenkt.
Die griechische Landschaft ruht ganz auf dem Blau. Blau sind Gebirge, Wasser und Himmel, und das ist in Griechenland alles. Also, wer blau liebt, ist hier am richtigen Platz. Blau ist die Seele der Farben. Zwei von den vier Elementen sind blau: die Luft und das Wasser; es ist, im Vergleiche zum Feuer, dem Geist, und zur dunklen, nährenden Erde die kühleren, flüchtigen, seelenhafteren Stoffe der Welt. Blau ist die Sehnsucht, die Ferne; wir hoffen und vertrauen auf blau; blau ist, was wir niemals erreichen, blau steht am Ausgang der Welt.
Auskünfte haben weniger den Wert einer Information als den eines Trosts. Ein Grieche sagt nie: nie, höchstens avrio, morgen. Avrio ist ein Zauberwort, es bindet und löst. Es kann heissen: sicher, vielleicht oder nie. Ein so altes und kluges Volk wie die Griechen weiss, was ein Wort ist: etwas, das in jedem Augenblick neu erfüllt werden muss.
Toren besuchen in einem Land die Museen, Weise gehen in die Tavernen.
Der Granatapfel ist das uralte Sinnbild der leidenschaftlichen Liebe, die niemals Besitz ist; denn lieben, glauben und uns verstehen können wir immer nur in Momenten. Der Aufschwung des Vogels ist unser Modell: er muss immer wieder herunter.
Wer den Harzwein nicht mag, weiss nicht, was Attika ist. Mögen die ersten fünfzig Liter ein bisschen fremd schmecken, wie bald gibt sich das. Wer ihn trinkt, trinkt Wein und trinkt auch das attische Land. Trinkt die Weinäcker mit den schwarzen knorrigen Stöcken, die Berge, den Wald und den harzigen Duft, den die Sonne aus den hellgrünen Zwergkiefern schweisst. Der Harzwein gewährt den spirituellsten Rausch von allen Weinen der Welt. Vom Harzwein berauscht, sieht man die Dinge geordnet, vieles Unklare wird klar.
Von den Bergen erst schliesst sich Griechenland auf, nur von den Bergen. Das Glück, das sich beim Aufstieg einstellt, schnellerer Herzschlag, stärkerer Atem, Macchiaduft und Ströme von Licht und von Sonne: das ist das griechische Daseinsgefühl. Einsamkeit, Aufschwung. Und der Durst, im Wort Durst hört man mehr.
Die Berge, in denen das Karge und nicht das Üppige wohnt, sind es, die das Erlebnis der Fülle gewähren.Auf Griechisch vereint sich das Karge mit dem Selig-Leichten.
Es hat sich in mir die Überzeugung gefestigt, dass man nur dort wirklich lebt, wo Zikadengeschrill die Mittage erfüllt und wo Ölbäume stehen. Der Ölbaum ist der Baum aller Bäume. Er hat den Segen, die Stille. Als er sich ausbildete, hat er offenbar gar nicht an sich, nur an den Menschen gedacht. Reine Soge: Öl gegen den Hunger, Öl für den Körper, die Haut, die Haare, Öl für die Lampe als Licht, Öl als Träger von Duft, der Ölzweig als Friedenszeichen und Siegerpreis.
Er ist das Altwerdenkönnen. Denn er beginnt erst mit fünfzig, sechzig Jahren etwas zu taugen und in einem Uralter von mehreren hundert Jahren trägt er auch noch. Er ist die bildgewordenen Geduld und die bildgewordenen Zeit.
kann nicht helfen in Griechenland.
Man muss weilen und bleiben.