Die Hauptattraktion aus Nisyros ist sicher sein Vulkan und der Kraterkessel. Nisyros liegt auf der „vulkanischen Linie“, die durch die Insel Aegina, Paros, Milos, Santorini, Nisyros, Giali und Kos verläuft. Ursprünglich gipfelte Nisyros in einem Hügel von ca. 850 m Höhe, aber die Mitte ist vor 30‘000 bis 40‘000 bei heftigen Eruptionen eingebrochen. Jetzt wird der Kraterkessel umgeben von 450 – 700 m hohen Ringwällen und Gipfeln wie Trapezina (545 m) und Proifitis Ilias (698 m). In der Senke findet man das fruchtbare Tal , den Eruptionskessel von Lakki und das öde Gebiet der Vulkankrater. Der Boden bei Lakki ist nährstoffreich und wird landwirtschaftlich genutzt. Eichen, Oliven- und Mandelbäume sind hier zu finden, dazu Terrassenfelder an den Hängen. Von Emborio aus hat man einen schönen Blick über die Senke, vorne noch bewachsen, hinten dann karg und vulkanisch.
Die Legende sagt, dass der Meeresgott Poseidon im Krieg gegen die Titanen den Giganten Polivotis verfolgte. Bei Kos hatte er ihn fast eingeholt. Poseidon riss ein Stück von Kos ab und schleuderte es nach Polivotis. Polivotis wurde unter dem Felsbrocken erschlagen. Und dieser Felsbrocken ist heute Nisyros. Die alten Griechen glaubten, wenn es auf Nisyros rumorte, so sei dies Polivotis, der sich bewegte, wenn es rauchte, so sei dies sein Atem, und wenn Lava floss, so sei es in Verbindung mit dem Schweiss oder dem Blut des erschlagenen Titanen Polivotis. Zwei der Krater heissen grosser und kleiner Polivotis-Krater.
Ab Emborio führt eine Teerstrasse hinunter in den Kraterkessel. Zuerst den Ringwall hinunter durch das fruchtbare Gebiet, dann weiter zu den Kratern. Am Ende der Teerstrasse ist ein Parking sowie eine Bar mit Terrasse. Von dort besucht man den grossen, rundovalen Stefanos-Krater, den grössten aller fünf Krater mit ca. 300 m Durchmesser (die anderen heissen: grosser und kleiner Polivotis-, Alexandros- und Logothetis-Krater). Man kann sogar in den Krater hinabsteigen, aber Vorsicht mit der Hitze, den Schwefeldämpfen und dem weichen warmen Boden mit den Schlammlöchern! Es riecht nach Schwefel, ab und zu sieht man Dämpfe aufsteigen. In den Kraterwänden sieht man das weissliche und gelbliche Vulkangestein. Schön ist auch der Blick nach oben zu den Ringwällen und den zwei am Hang klebenden Dörfern Emborio und Nikea.
Von der Bar aus kann man auf einem Pfad etwas mehr nach rechts hochsteigen und kommt so zu den zwei Kratern des grossen und des kleinen Polivotis. Hier ist die vulkanische Farbenpracht noch intensiver, zu den Farben weiss und gelb kommt noch rot dazu. Auch hier ist es interessant, um die Krater herumzugehen und etwas abzusteigen. Man sieht Erosionstäler mit schönen Formationen. Am hinteren Rand des grossen Polivotis-Krater gibt es einige Löcher mit gelben Schwefelkristallen, wo heisser Dampf rauskommt. Achtung, es ist wirklich heiss! Interessant und geheimnisvoll, diese Schwefelkristalle und –Löcher von nahem anzusehen, zu fühlen und zu riechen. Diese Fumarolen sollen bis zu 104 Grad heisse Schwefeldämpfe ausstossen.
1887 gab es am kleinen Polivotis die letzte Eruption überhitzten Dampfes. Seit 2000 wird der Vulkan im Rahmen des europäischen Forschungsprogrammes Geowarn erforscht, damit man zukünftig vor Vulkanausbrüchen gewarnt werden kann. Weitere Informationen über den Vulkan liefert das neue vulkanologische Museum in Nikea, am Dorfeingang gelegen.
Am besten, man besucht den Vulkan frühmorgens oder gegen Abend, wenn die Horden der Tagesausflügler von anderen Inseln noch nicht angekommen oder schon wieder weg sind.
Ab Nikea und ab Emborio gibt es Fusswege, die hinab in den Kraterkessel führen. Von Emborio aus hat man einen „weiteren“ Blick auf den Kraterkessel und sieht vorne das fruchtbare Gebiet von Lakki. Nikea liegt näher oberhalb der Krater. Der Blick vom Dorf Nikea aus ist also „näher“ und direkter hinunter in den Stefanos-Krater. Im Dorf sind Wegweiser angebracht mit „volcano view“ zu Aussichtspunkten. Uns hat der Blick vom hintersten Viewpoint bei der Kirche gut gefallen.
Wir dachten, dass man eventuell Eintritt bezahlen muss zum Besuch des Vulkans (war in einem Reiseführer so erwähnt). Aber als wir gegen Abend dort ankamen, war das Kassa-Häuschen unbesetzt und auch der Angestellte der Bar machte keine Anstalten, etwas zu verlangen.
Ein sehr eindrückliches Gebiet, das einem die Naturkräfte und –Gewalten vor Augen führt. Und man sieht den Vulkan nicht nur, sondern riecht und spürt ihn auch. Unbedingt sehenswert auf Nisyros!