Wir haben extra eine Jeep gemietet, denn wir wollten die ganze Insel entdecken, und das Netz an Teerstrassen ist je eher bescheiden (Region Agios Konstantions-Chora-Steno-Maltezana-Schinontas). Nun also unterwegs hinter Maltezana und Schinontas. Von den Anhöhen im Ostteil sahen wir im Süden zur Senke mit der Agili-Bucht. Einige Yachten lagen in der Bucht. Vermutlich würde man dort sicher auch einen netten Platz zum Baden finden. Wir fahren weiter auf den 366 m hohen Gipfel mit den Antennen und haben einen schönen Blick auf die Vlichada Bay mit dem Poulariani-Strand und dem dahinterliegenden Zipfelchen Agios Fokas. Die Wasserfarbe um die Küste herum ist herrlich und leuchtet in hellblau und türkis. Eigentlich wollten wir zum Poulariani-Kirchlein, von dem wir gelesen hatten, dass es sehr schön gelegen sei, aber diese Strasse war selbst für einen Jeep so schlecht, dass wir umgekehrt sind. Beim Kulturwegweiser „Castellana Fort“ bei einem Bauernhof schauten wir uns um, sahen aber nur Ruinen eines Rundturms und vermuteten, dass dies wohl die Überreste des Kastros waren.
Auf der Fahrt Richtung Vathi hat man einen schönen Blick auf die tiefeingeschnittene Bucht von Zafiri. Und später auf die Senke von Vathi. Hier ist ein fruchtbares Tal mit Feldern, dazwischen liegen einige Kapellen, links sieht man die Lagune von Vathi. Es gibt Exo Vathi, das äussere Vathi, und etwas weiter, nähe der Öffnung der Laguna zum Meer hin Mesa Vathi, das innere Vathi. Es ist sehr abgelegen hier. In Exo Vathi gibt es 2-3 Häuser. Gemäss Reiseführer und Karte findet man hier noch Ruinen einer minoischen Siedlung und eines Turmes. Wir haben aber nicht genau gesehen wo, und ausserdem waren Kulturwegweiser bis anhin nicht sehr hilfreich und genau…
Von weitem sah die lagunenbucht schön aus, mit dem türkisen Wasser. Gemäss Karte sollte es Badestrände bei Exo Vathi, Mesa Vathi und auf der gegenüberliegenden Lagunenseite geben. In Exo Vathi sind wir aber nicht so richtig zum Meer hin gekommen, da Zäune den Durchgang behinderten. Wo wir hinkamen, sah es etwas sumpfig aus und ungepflegt. Vielleicht wäre es etwas weiter um die Bucht herum besser gewesen.
Auch Mesa Vathi ist ein winziger Weiler, immerhin mit einer kleinen Mole und einem Restaurant, das auch Zimmer vermietet, und weiteren 3-4 Häusern, dazu verteilt einige Kirchlein. Von dort soll es einen Pfad/Schotterstrasse Richtung Nordküste geben, zur Drakospilia-Höhle. Die eine Karte zeigte nur Fusspfad, die andere Schotterstrasse an, und die Karte des Touristoffices zeigte ab einem Agios Thomas-Kirchlein einen Wanderweg zur Höhle an. Uns war nicht so klar, welches der Weg Richtung Drakospilia war, mit dem Auto getrauten wir uns nicht zu fahren, zu Fuss wollten wir bei der Hitze auch nicht gehen, vor allem, weil wir weder Karten noch Wegweisern noch erwähnten Sehenswürdigkeiten trauten (bis anhin waren ja einige der Sehenswürdigkeiten nicht auffindbar oder nur sehr sehr bescheiden gewesen). Also beschlossen wir, die Taverne etwas zu unterstützen. Die überdachte Terrasse war recht gross, aber wir waren die einzigen Gäste – nicht nur in der Taverne, wohl in der ganzen Region von Vathi. Der ältere Tavernenbesitzer (nicht mehr sehr gut zu Fuss) erzählte, er hätte viele Schweizer Gäste hier, die mit dem Segelschiff kamen (was heisst wohl „viel“ für ihn?). Er und seine Frau seien die einzigen zwei fest hierwohnenden Einwohner von Mesa Vathi. Es gäbe auch noch zwei fest da wohnende Leute in Exo Vathi. Das andere seien Leute, die zwischendurch hierherkamen, um Ihre Felder und Tiere zu versorgen. In der Taverne gab es auch noch eine jüngere, ausländische Serviertochter – wir fragten uns, ob sie auch hier wohnt, wie das Leben in diesem abgelegenen „Kaff“ wohl sei. Wir konnten uns schlecht vorstellen, dass viele Gäste hierherkamen. Auf einer Karte hatten wir gelesen, dass es Bootsverbindungen ab Vai nach Vathi gab – davon sahen wir jedoch keine Anzeichen. Es ist alles sehr sehr friedlich in Vathi. Das Fischerboot an der Mole, die gelben Netze, die ruhige Taverne, der Blick auf die ebenfalls sehr ruhige Lagune, die Felder mit den vereinzelten Kirchlein, bimmelnde Ziegenglocken. Wir sind ja hingefahren, weil wir alle Ecken der Insel erkunden wollten. Vielleicht wäre das Essen in der Taverne ja auch fein gewesen – sicher bodenständig und einfach. Besonders schön war der Blick auf die Felder in der Senke und die türkise Lagune. Viel zu sehen gab es nicht in Vathi, uns blieb es dennoch in Erinnerung in seiner Abgeschiedenheit.